Von Manuel Marburger – Keynote Speaker für Leadership und Wertschätzung
Was Führungskräfte in 2026 anders machen (sollten)
Stellen Sie sich vor, es ist ein grauer Dienstagmorgen im Januar 2026. Sie sitzen in einem hybriden Meeting. Vor Ihnen auf dem großen Screen sehen Sie zwölf Gesichter. Drei sind im Büro, neun sind zugeschaltet, verteilt über drei Zeitzonen. Die Stimmung ist angespannt. Die Zahlen des letzten Quartals waren volatil, die KI-Transformation im Unternehmen sorgt für Unruhe, und zwei Ihrer besten Talente haben letzte Woche gekündigt, weil sie sich "nicht mehr verbunden" fühlten. In diesem Moment spüren Sie es deutlich: Die alten Werkzeuge funktionieren nicht mehr. Druck erzeugt hier keine Diamanten mehr, sondern Kündigungen. Kontrolle schafft keine Sicherheit, sondern Flaschenhälse. Das klassische "Ich sage, was zu tun ist, und kontrolliere das Ergebnis" ist in einer Welt, die sich schneller dreht als je zuvor, zum Scheitern verurteilt. Ihre Mitarbeitenden wollen nicht mehr gemanagt werden. Sie wollen inspiriert werden. In einer Ära der permanenten Veränderung ist Inspiration die wertvollste Währung der Führung geworden. Inspiration ist es, was Teams zusammenhält, wenn die Strukturen wackeln.
Ich kenne dieses Gefühl, wenn der Boden unter den Füßen fehlt, sehr gut. Als Industriekletterer und Höhenretter habe ich gelernt: Wenn Sie in 160 Metern Höhe am Seil hängen und der Wind auffrischt, rettet Sie keine Dienstanweisung und kein Kontrollmechanismus. Was Sie dann rettet, ist das blinde Vertrauen in Ihr Team und die absolute Klarheit über Ihre Mission. Wenn das Seil reißt, zeigt sich der wahre Charakter von Führung.
Lange Zeit war Führung einfach. Es ging jahrelang um Effizienz, Wiederholbarkeit und Gehorsam. Der Vorgesetzte war der "Kopf", der Arbeiter die "Hand". Kontrolle war notwendig, um Qualität in standardisierten Prozessen zu sichern. Doch wir schreiben das Jahr 2026. Die Komplexität heutiger Aufgaben lässt sich nicht mehr durch starre Hierarchien bewältigen. Wenn Entscheidungen in Sekundenschnelle getroffen werden müssen, ist der Weg durch die Instanzen zu lang. Kontrolle bremst Dich aus.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse stützen diesen Wandel. Das menschliche Gehirn reagiert auf Kontrolle und Mikromanagement mit einer Bedrohungsreaktion ("Threat Response"). Kreativität und lösungsorientiertes Denken werden im Gehirn blockiert. Inspiration hingegen aktiviert das Belohnungszentrum. Dopamin wird ausgeschüttet, intrinsische Motivation entsteht. Mitarbeitende, die sich inspiriert fühlen, sind nicht nur produktiver, sie sind resilienter. In einer Zeit, in der KI Standardaufgaben übernimmt, wird genau diese menschliche Kreativität und emotionale Resilienz zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Lassen Sie mich Sie kurz mitnehmen in meine Vergangenheit. Ich gründete die erste professionelle Höhenrettung Deutschlands. Mein “Büro” war oft ein Windrad in der Nordsee oder ein Kamin in 150 Metern Höhe. In solchen Umgebungen ist "Kontrolle" eine gefährliche Illusion. Stellen Sie sich vor: Ein Kollege hängt in den Seilen, es gibt ein technisches Problem, das Wetter schlägt um. Ich kann von meiner Position aus nicht jeden Handgriff kontrollieren. Ich kann nicht neben jedem Mitarbeiter schweben und korrigieren. In diesem Moment hängt wortwörtlich alles am Vertrauen.
"In 160 Metern Höhe, bei Wind und Kälte, ist Kontrolle eine Illusion. Wenn ein Kollege in Not ist, hängt alles am Vertrauen. Am Vertrauen ins Material, ins Training, aber vor allem am Vertrauen ineinander. Jeder wusste: Wir sind füreinander da. Nicht weil es im Handbuch steht, sondern weil wir eine gemeinsame Mission hatten: Menschen retten."
Diese Erfahrung hat mein Verständnis von Leadership geprägt. Wahre Führung zeigt sich nicht in Schönwetter-Perioden, sondern in der Krise. In Unternehmen ist es heute ähnlich: Wenn der Markt einbricht oder eine disruptive Technologie das Geschäftsmodell bedroht, brauchen Sie kein Team, das auf Anweisungen wartet. Sie brauchen ein Team, das autonom handelt, weil es der gemeinsamen Mission vertraut.
Kontrolle hemmt Geschwindigkeit. Vertrauen beflügelt sie. Die besten Entscheidungen werden 2026 nicht im Chefbüro getroffen, sondern dort, wo das Problem auftritt, von Teams, die das Mandat und das Vertrauen haben, zu handeln.
Wie gelingt nun der Übergang vom kontrollierenden Manager zum inspirierenden Leader? Inspiration ist kein angeborenes Charisma, sondern ein Handwerk. Hier sind fünf Schritte, die Sie sofort umsetzen können.
Schritt 1: Vision sichtbar machen
Menschen folgen keinen Quartalszahlen. Niemand steht morgens begeistert auf, um den "EBITDA um 3% zu steigern". Menschen folgen Visionen. Als ich mein Unternehmen aufbaute, war unsere Vision glasklar: "Wir retten Leben und ermöglichen Arbeiten an Orten, an die sich sonst niemand traut." Diese Klarheit gab jedem Teammitglied Orientierung, selbst in chaotischen Situationen.
Praxis-Tipp: Formuliere deine Vision in einem einzigen, kraftvollen Satz. Kommuniziere sie nicht einmal im Jahr auf der Weihnachtsfeier, sondern wöchentlich. Zeige bei jedem neuen Projekt auf, wie es auf diese Vision einzahlt. Ein IT-Unternehmen, das seine Vision von "Software-Entwicklung" zu "Technologie, die Menschen verbindet statt trennt" änderte, konnte seine Bewerberquote um 40% steigern.
Schritt 2: Sinn stiften statt Aufgaben verteilen
Der Unterschied zwischen einer Anweisung ("Erstelle den Bericht bis Freitag") und einer Sinn-Stiftung ("Zeige uns mit dem Bericht, wie wir das Leben unserer Kunden verbessert haben") ist gewaltig. Sinn ist der stärkste Motor für intrinsische Motivation.
Übung für Montag: Bevor Sie die nächste Aufgabe delegieren, halten Sie inne. Erklären Sie das WARUM. Verbinden Sie die Tätigkeit mit dem größeren Ganzen. Fragen Sie Ihr Team: "Warum ist diese Arbeit wichtig, nicht für die Firma, sondern für die Menschen da draußen, die unsere Produkte nutzen?"
Schritt 3: Autonomie ermöglichen
Mikromanagement ist der Tod jeder Motivation. Inspirierende Leader setzen Leitplanken, keine Handschellen. Bei der Höhenrettung gab ich klare Sicherheitsstandards vor, das waren die Leitplanken. Aber WIE jeder Retter im Detail seine Mission erfüllte, wie er den Knoten setzte oder sich abseilte, lag in seiner fachlichen Verantwortung. Das machte aus Angestellten Unternehmer im Unternehmen.
Praxis-Tipp: Definieren Sie Ergebnisse, nicht Prozesse. Fragen Sie Ihre Mitarbeitenden: "Was brauchst du von mir, um erfolgreich zu sein?" anstatt zu fragen "Hast du Aufgabe X schon erledigt?". Wechseln Sie vom Kontrolleur zum Ermöglicher.
Schritt 4: Durch Vorbild führen
Inspiration entsteht nicht durch Worte auf Powerpoint-Folien, sondern durch Taten. Wasser predigen und Wein trinken funktioniert 2026 weniger denn je. Transparenz ist der Schlüssel. Führungskräfte, die selbst brennen, entzünden andere. Aber auch Führungskräfte, die Fehler zugeben, schaffen Vertrauen.
Selbstreflexion: Ein CEO, der öffentlich über einen eigenen Fehler spricht und teilt, was er daraus gelernt hat, schafft eine Kultur der psychologischen Sicherheit. Innovationen steigen in solchen Umgebungen um bis zu 35%. Fragen Sie sich: Würden Sie sich selbst folgen? Was leben Sie vor, das andere inspirieren könnte?
Schritt 5: Emotionale Verbindung schaffen
Wir erinnern uns selten an Fakten aus Präsentationen. Wir erinnern uns an Momente echter Menschlichkeit. KI kann Daten analysieren, aber sie kann keine Empathie empfinden. Das ist Ihr Job als Leader.
Story: Ich erinnere mich an einen Teamleiter, der nach einem gescheiterten Großprojekt nicht tobte, sondern sein Team versammelte und sagte: "Ich bin stolz auf euren Mut, diesen neuen Weg versucht zu haben. Scheitern gehört zu Innovation. Was lernen wir daraus?" Dieses Team lieferte im nächsten Quartal das erfolgreichste Projekt der Unternehmensgeschichte ab. Warum? Weil sie sich sicher fühlten.
Trend 1: KI als Verstärker nutzen. Top-Leader nutzen KI für administrative Routinen, um radikal Zeit freizuschaufeln. Diese Zeit investieren sie nicht in mehr Arbeit, sondern in menschliche Interaktion. Sie inspirieren durch persönliche Gespräche, die keine KI ersetzen kann.
Trend 2: Hybride Teams meistern. Inspirierende Führung funktioniert auch remote. Es braucht keine physische Präsenz für emotionale Nähe. Regelmäßige virtuelle "Check-ins" ohne Agenda, reine Kaffeepausen für den sozialen Kitt, sind Standard.
Trend 3: Mentale Gesundheit priorisieren. 73% der High-Performer-Unternehmen haben 2026 Mental Health als strategische Führungsaufgabe definiert. Ein Technologie-Konzern führte "Inspirations-Freitage" ein: Freitagnachmittags keine Meetings, sondern Zeit für Projekte, die begeistern. Das Ergebnis war 28% höheres Engagement.
Der Weg zur inspirierenden Führung ist nicht ohne Hürden. Das größte Hindernis ist oft der eigene Kontrollzwang. Loslassen ist schwer, besonders wenn man jahrelang durch Kontrolle erfolgreich war und Karriere gemacht hat. Es erfordert Mut, zu vertrauen. Ein zweites Hindernis ist der vermeintliche kurzfristige Druck. "Ich habe keine Zeit für Inspiration, wir müssen Ergebnisse liefern." Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Inspiration ist kein "Nice-to-have" für ruhige Zeiten, sondern der Treibstoff für Performance in stressigen Zeiten. Und schließlich fehlen oft die Vorbilder. Wer selbst nie inspirierend geführt wurde, muss es neu lernen. Das erfordert Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Leadership 2026 ist kein Management von Aufgabenlisten, sondern die Inspiration von Menschen. In einer Welt, die komplexer, unsicherer und schneller wird, ist die Fähigkeit, Hoffnung und Begeisterung zu vermitteln, die entscheidende Führungskompetenz.
Manuel Marburger teilt als Keynote Speaker seine außergewöhnlichen Erfahrungen aus Höhenrettung und Unternehmertum. Seine Vorträge sind keine Theorie, sondern gelebte Praxis – ehrlich, direkt und motivierend.
Weiterführende Keynote-Themen:
- Wertschätzung trifft Leadership
- Leadership in unsicheren Zeiten
- Inspiration als Führungsstrategie
Von Manuel Marburger – Keynote Speaker für Leadership und Wertschätzung
