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Leadership beginnt mit Wertschätzung oder warum die besten Führungskräfte keine Superhelden sind

Wir leben in einer Zeit, in der Leadership oft mit Performance gleichgesetzt wird. KPIs, Quartalsziele, Effizienzsteigerung, alles wichtig, keine Frage. Aber zwischen all diesen Zahlen vergessen wir manchmal das Wesentliche: Menschen führen Menschen.

Und Menschen brauchen mehr als klare Ziele und gute Prozesse. Sie brauchen das Gefühl, gesehen zu werden. Nicht nur für ihre Leistung, sondern für ihren Beitrag, ihre Anstrengung, ihr Sein.

Wertschätzung ist kein Soft-Skill. Sie ist der Kern erfolgreicher Führung.

Was Wertschätzung wirklich bedeutet

Lassen Sie mich eines klarstellen: Wertschätzung ist nicht gleich Lob.

Lob richtet sich an das Ergebnis: „Gute Arbeit, das Projekt ist ein Erfolg!"

Wertschätzung richtet sich an den Menschen: „Ich habe gesehen, wie viel Herzblut du in dieses Projekt gesteckt hast, auch in den schwierigen Momenten. Danke, dass du dabei geblieben bist."

Spüren Sie den Unterschied?

Wertschätzung sieht hinter die Leistung. Sie erkennt den Weg, nicht nur das Ziel. Sie macht aus einem funktionierenden Team ein verbundenes Team.

Die drei Säulen wertschätzender Führung

1. Sehen statt übersehen

Die meisten Führungskräfte haben einen vollen Terminkalender. Meetings, Entscheidungen, Krisen. Dazwischen bleibt wenig Raum für das Zwischenmenschliche.
Aber genau hier liegt die Chance: Wertschätzung braucht keine Extra-Zeit. Sie braucht Achtsamkeit.
Ein Beispiel: Statt im Vorbeigehen nur „Hallo" zu sagen, fragen Sie: „Wie geht's dir wirklich? Ich habe mitbekommen, dass letzte Woche viel los war."
Dieser kleine Moment kostet 30 Sekunden und kann den Tag Ihres Mitarbeitenden verändern.

2. Stärken stärken statt Schwächen bekämpfen

Wir sind darauf trainiert, Fehler zu finden. Das liegt in unserer Natur als Führungskräfte, wir wollen Probleme lösen. Aber was wäre, wenn wir genauso intensiv nach Stärken suchen würden?
Wertschätzende Führungskräfte erkennen, was Menschen gut können und geben ihnen Raum, genau das zu tun. Sie fragen nicht: „Was läuft falsch?", sondern: „Was läuft richtig und wie können wir mehr davon schaffen?"

3. Authentisch bleiben 

Nichts ist schlimmer als aufgesetzte Wertschätzung. Menschen spüren, ob es Ihnen ernst ist. Wertschätzung funktioniert nur, wenn sie echt ist. Das bedeutet: Sie müssen nicht perfekt sein. Sie müssen nicht jeden Tag eine motivierende Rede halten. Aber Sie müssen ehrlich sein. Ein einfaches „Ich weiß, diese Woche war hart. Danke, dass du durchgehalten hast" wiegt mehr als zehn PowerPoint-Folien über „Mitarbeitermotivation".

Warum Wertschätzung auch für Sie als Führungskraft wichtig ist

Hier kommt der Teil, den viele übersehen: Wertschätzung ist keine Einbahnstraße.

Führungskräfte, die Wertschätzung leben, profitieren selbst davon. Sie bauen stärkere Beziehungen auf, erleben weniger Widerstand, haben loyalere Teams. Aber vor allem: Sie fühlen sich selbst wieder verbundener mit ihrer Rolle. Denn seien wir ehrlich: Leadership kann einsam sein. Zwischen Entscheidungen, Verantwortung und hohen Erwartungen verlieren wir manchmal den Sinn aus den Augen. Wertschätzung bringt uns zurück zu dem, was wirklich zählt: Wirkung auf Menschen.

Der erste Schritt: Fangen Sie bei sich selbst an!
Bevor Sie Ihr Team wertschätzen können, müssen Sie lernen, sich selbst wertzuschätzen.
Klingt esoterisch? Ist es nicht.

Fragen Sie sich:

Wann haben Sie sich das letzte Mal selbst anerkannt für das, was Sie leisten?
Wann haben Sie Ihre eigenen Erfolge gefeiert, statt sofort zum nächsten Ziel zu rennen?
Wann haben Sie sich selbst zugestanden, dass Sie genug sind, auch ohne perfekt zu sein?
Selbstwertschätzung ist nicht Selbstverliebtheit. Sie ist die Basis, um authentisch und kraftvoll zu führen.

Drei konkrete Impulse für Ihren Führungsalltag

1. Die 2-Minuten-Wertschätzung
Nehmen Sie sich jeden Tag 2 Minuten, um einem Teammitglied bewusst Wertschätzung zu zeigen. Nicht per E-Mail. Persönlich oder am Telefon.

2. Das Stärken-Gespräch
Fragen Sie in Ihrem nächsten Einzelgespräch: „Was hast du diese Woche gemacht, auf das du stolz bist?" Hören Sie einfach zu. Ohne direkt in Lösungen oder neue Aufgaben zu springen.

3. Das Danke-Ritual
Beenden Sie Meetings mit einer einfachen Frage: „Wofür sind wir heute dankbar?" Sie werden überrascht sein, wie diese kleine Übung die Atmosphäre verändert.

Wertschätzung ist eine Entscheidung: Am Ende ist Wertschätzung keine Technik. Sie ist eine Haltung. Es ist die Entscheidung, Menschen als Menschen zu sehen, nicht nur als Ressourcen. Es ist die Entscheidung, Beziehungen zu bauen, nicht nur Ergebnisse. Es ist die Entscheidung, als Führungskraft nicht nur zu funktionieren, sondern zu wirken.

Und diese Wirkung? Die verändert alles.

 

Manuel Marburger ist Leadership-Experte für Wertschätzung und Motivation. Er begleitet Führungskräfte und Teams dabei, aus alten Mustern auszubrechen und mit innerer Klarheit zu führen.

 

Von Manuel Marburger – Keynote Speaker für Leadership und Wertschätzung

 

 

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